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Beate

Beate ist ein Mädchen wie viele andere auch. Fröhlich, aufgeschlossen, selbstbewusst. Die 16-Jährige geht in die Disco, nimmt an allem teil. Ihre Familie hat einen normalen Alltag. Bis zu jenem Tag im Juni 2000, der das Leben der Familie schlagartig ändert.

Beate hat einen Fahrradunfall. 50 m von zuhause entfernt kommt sie angeradelt und will nach links abbiegen. Vielleicht etwas zu schnell in der Kurve, wer weiß. Plötzlich kommt ein Auto, das sie vorher nicht gesehen hat. Mit dem Auto stößt sie nicht zusammen, sie schafft aber die Kurve nicht mehr und fliegt an dem Eckgrundstück in hohem Bogen über den Lenker eine kleine Böschung hinunter auf eine Souterrain-Terrasse. Beate prallt ohne Helm mit dem Kopf auf einen der zahlreichen Betonkübel, die die Böschung halten.

Beates Mutter zeigt den Unfallort

Das Mädchen wird schwer verletzt und kommt ins Krankenhaus nach Bünde, wo man für Hirnverletzungen medizinisch nicht ausgerüstet ist. Man verlegt sie nachts nach Osnabrück in die Neurochirurgie, wo man ihr gegen ihre lebensbedrohliche Hirnschwellung die Schädeldecke abnimmt und einfriert. Beate überlebt mit vielen Komplikationen. Später kommt sie in eine Reha-Klinik. Weitere Operationen folgen. Die Schädeldecke wird zurücktransplantiert. Beate fällt in ein Wachkoma, hat die Augen auf und atmet allein. Wirklich reagieren auf ihre Umwelt kann sie nicht. Sie wird durch eine Sonde ernährt. Ihr ganzer Körper ist in einem Dauerkrampf angespannt, die Hände und Füße verkrümmen sich immer mehr.

Beate ist ein Pflegefall. Ihre Familie kann sie nicht zuhause betreuen, Beate kommt in ein Pflegeheim. Auf die Frage, was Beate mitbekommt, erklärt ihre Mutter: „Sie merkt, wenn sie gebadet oder eingecremt wird oder wenn schöne Musik läuft.“ Sonst weiß man nicht, was sie mitbekommt.

Für die Familie ist nichts mehr, wie es war. Die Mutter und die Geschwister leiden unendlich unter dem Schicksal. Aus dem hübschen blonden Mädchen ist ein Pflegefall geworden. Eine Aussicht auf Besserung oder gar Heilung gibt es nicht. Beate ist inzwischen 18 Jahre alt. Die Mutter ist häufig am Ende ihrer Kräfte, schafft es nicht, Beate mehr als einmal in der Woche zu besuchen. Der Alltag muss bewältigt werden und sie muss arbeiten gehen, um die Familie zu ernähren.

Hätte Beate bei ihrem Sturz einen Helm getragen, wäre diese Geschichte anders verlaufen. Vielleicht hätte sie sofort wieder aufstehen können – ein Pflegefall wäre sie sehr wahrscheinlich nicht geworden. Aber was nützt dieser Gedanke der Familie? Gar nichts. Sie muss ihr Schicksal meistern, so wie es ist.

Merkwürdigerweise beeindruckt ihr Schicksal nicht mal die Nachbarn, die immer noch keinen Helm aufsetzen. Vielleicht fehlt ihnen die Einsicht, wie viel besser es Beate gehen würde, wenn sie einen Helm getragen hätte.

Am 23.12.2007 stirbt Beate nach 7 ½ Jahren im Wachkoma.