Gavin
Gavin verunglückt am Muttertag 2002. Seine Familie ist zum Campen am Safaripark. Weil Gavin nicht weiß, wohin mit seinem Helm am Parkplatz vom Safaripark, nimmt er ihn nicht mit. Unmittelbar vor der Ausfahrt vom Campingplatz verunglückt er auf der B 68 und stößt mit einem Pkw zusammen, der 85 km/h fuhr (in 70er-Zone). Dabei prallt der 13-Jährige mit dem Kopf auf die Dachkante und schlägt zu Boden.
Ein Rettungshubschrauber bringt den Jungen ins Krankenhaus nach Bethel. Die Eltern fahren hinterher. In der Klinik erklärt man den Eltern, das Kind sei so schwer kopfverletzt, dass sich das Hirn zu Tode schwillt. Entweder man mache nichts mehr und sie warten ab, bis er tot sei oder man würde versuchen, ihm in einer neuartigen OP die ganze Schädeldecke abzunehmen. Die Eltern willigen ein, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Die Schädeldecke kommt 6 Wochen in die Tiefkühltruhe. In der Zeit ist die Haut über dem Gehirn geschlossen, aber eben kein Knochen. Nach 6 Wochen ist die Schwellung des Gehirns zurückgegangen, die Schädeldecke wird zurückverpflanzt. Es folgen zahlreiche komplizierte Nachoperationen mit einigen Komplikationen.
Ein Jahr später, Ende Mai 2003, kommt Gavin nach Hause – als Schwerstpflegefall. Er kann atmen, sonst kann er nichts bewegen. Der Körper wie ein nasser Sack, Arme und Beine sehr steif dabei. Der Alltag der Familie ist seitdem durch Therapien bestimmt. Morgens und abends kommt der Pflegedienst. Dazu Krankengymnastik, Ergotherapie, Massage, Wassertherapie, Musiktherapie etc.
Mit unendlicher Mühe haben es die Eltern geschafft, dass Gavin heute kleine Schritte machen kann. Er ist aber nicht wirklich wach. Er trägt Windeln und wird über einen Schlauch in den Bauch ernährt. Ein bisschen füttern durch den Mund geht aber schon und kratzen am Ohr kann er sich auch schon. Ob er sehen kann, ist nicht gesichert. Hören kann er, sprechen nicht. Er hat eine große Schwester, die beim Pflegen hilft, wenn sie da ist. In den ersten Monaten zuhause mussten die Eltern nachts alle 2 Stunden aufstehen um ihn umzudrehen, damit er nicht wund wird und blutig. Inzwischen dreht er sich etwas selbst.
Die Eltern haben noch große Mühe, ihre Ansprüche auf Hilfsmittel durchzusetzen. Sie müssen um alles kämpfen, selbst um den Rollstuhl. Seine alte Schule (Realschule) hat sich bis heute nicht blicken lassen. Gavins alte Freunde kommen auch nicht mehr.





